Die US-Wahlen- Wer bestimmt die Zukunft Amerikas?

Die US-Wahlen- Wer bestimmt die Zukunft Amerikas?

4. November 2020 0 Von Charlotte Wiesner

Die US-Wahlen sind wohl das Thema, das uns alle in den letzten Wochen am meisten beschäftigt hat. Für viele Amerikaner war es außerdem die entscheidende Frage für Amerikas Zukunft. Denn verschiedener könnten die Kandidaten kaum sein. Die Feindseligkeit, die sie einander offen entgegenbringen, hat das Land nur noch stärker entzweit. Wie immer blieb die Entscheidung bis zur letzten Minute spannend.

Warum der amerikanische Präsident nicht die meisten Wählerstimmen haben muss und welche Bilanz man rückblickend auf Trumps‘ Amtszeit ziehen kann, aber auch was uns jetzt nach den Wahlen erwartet, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Da Umfragen oft anderes versprechen, mag das Wahlergebnis für den ein oder anderen von uns nicht immer ganz nachvollziehbar sein, dies liegt daran, dass die USA ein grundlegend anderes Wahlsystem haben als wir in Deutschland. Wie funktioniert dieses?

Wie funktioniert das US-amerikanische Wahlsystem?

Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass der amerikanische Präsident eine weitaus machtvollere Position hat als das vergleichbare deutsche Amt des Bundeskanzlers. Hier spricht man deshalb auch von einer präsidialen Demokratie. Außerdem kann der Präsidentschaftskandidat nur aus den zwei bestehenden Parteien gewählt werden: den Republikaner und den Demokraten. Aus erstere, die konservative Werte vertritt, wurde Trump als Kandidat aufgestellt und für die Demokraten tritt Biden an. Jedem US-Staat kommt eine gewisse Anzahl an Wahlmänner zu. Je nachdem welche Partei die Mehrheit der Wählerstimmen innerhalb eines Staates erhält, bekommt die entsprechende Partei alle Wahlmänner. Hier gilt das Prinzip „winner takes all“. Schlussendlich stimmen also die Wahlmänner ab. Daher lässt sich noch sagen, dass der Kandidat nicht die Mehrheit der Wählerstimmen, sondern die der Wahlmänner haben muss.

In den meisten US-Staaten lässt sich von vornherein eine klare Mehrheit ausmachen, nicht aber in den so genannten „swing states“. Diese wechseln Jahr für Jahr zwischen Demokraten und Republikaner und sind daher besonders entscheidend für den Ausgang der Wahl. Im Jahre 2020 sind die Entscheidungen von Pennsylvania und Florida besonders ausschlaggebend.

Welche Auswirkungen hatte Trumps’ Amtszeit?

Nach diesem System wurde Trump 2016 zum Präsidenten gewählt und das obwohl seine Kontrahentin H. Clinton mehr Wählerstimmen bekam. Seine Entscheidungen als Präsident aus der Amtsperiode sind stark umstritten. Anhänger argumentieren, dass er den groß Teil seiner Wahlversprechen umgesetzt hat, was durchaus zu triff. Ob diese jedoch positiv zu beurteilen sind, bleibt jedem selbst überlassen. Im Gegensatz hierzu bemängeln Kritiker z.B. seine Einwanderungspolitik und seinen Umgang mit der Corona-Krise.

Dass der Präsident die Meinung des Volkes stark gespalten hat, ist jedoch unbestreitbar. Dies zeigt sich besonders an der Rekord-Beteiligung der US-Bürger an der diesjährigen Wahl. Dass für viele die Wahlen dieses Jahr eine große Rolle gespielt haben, lässt sich an den vergleichsweiße niedrigen Wahlbeteiligungen der letzten Jahre sehen. Ca. 100 Millionen Amerikaner haben bereits vor dem offiziellen Wahltag ihre Stimme abgegeben. Besonderes in den Süd- und Weststaaten war die Anzahl der abgegebenen Stimmen in Relation sehr hoch.

Was erwartet uns nun nach der Wahl?

Doch auch nach den Wahlen blieb die Lage angespannt. Die Regierung rechnet mit Unruhen, Protesten und Gewalt. In Folge dessen wurde das Weiße Haus eingezäunt und die Anzahl der Sicherheitskräfte erhöht. Auch Läden haben ihre Schaufenster zugenagelt. In den „swings states“ sowie in Washington wird mit extremeren Unruhen gerechten, weil hier Anhänger beider Parteien stark vertreten sind. Die Polizei macht sich auf derartige Komplikationen gefasst und stattete sich daher schon im Voraus z.B. mit Tränengas für die Demonstrationen aus. Trotz alledem ruft die Regierung zu Ruhe und Geduld auf.

Wie sich die Lage in Amerika nun weiterentwickelt und ob sich das Verhältnis zwischen den Parteien sowie deren Anhänger entspannt, wird sich erst in den kommenden Wochen herausstellen.