Recherchearbeit der Klasse 11f

Recherchearbeit der Klasse 11f

Der Profilkurs Geschichte Klasse 11. Jahrgang 2015/16 hat unter Anleitung ihrer Geschichtslehrerin Frau Karin
Ahues zur Familie Rath recherchiert. Die Ergebnisse schlugen sich nieder in Form von:

  • Schreiben einer Hausarbeit/Klausurersatzleistungen zum Thema
  • Workshop/Erabeitung einer Rede für die Schülersprecherin für die Stolpersteinverlegung
  • Erabeitung und Durchführung einer Unterrichtseinheit für die 6. Klassen zu den Stolpersteinen, in Verbindung mit der Besprechung des Buches „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ von Judith Kerr

 

Rede der Schülersprecherin Aylin Lehnert bei der Stolpersteinverlegung

 

Text der Rede

„Sehr verehrte Anwesende,

wir, Schülerinnen und Schüler der Stormarnschule, stehen mit Ihnen hier vor diesem Haus in der Waldstraße Nr. 8, dem Zuhause der Familie Rath, fast direkt neben unserer Schule. Der Ort scheint nichts Besonders zu sein, eine ganz normale Straße, durch die viele von uns täglich zur Schule fahren.

Wir sind alle hier, um an etwas zu erinnern, das diese scheinbare Normalität durchbricht: das Schicksal der Familie Rath während des Nationalsozialismus.

Erinnern – davon ist heute häufig schon die Rede gewesen. Was bedeutet das eigentlich?

Erinnern ist im Gegensatz zum Vergessen etwas Aktives, Bewusstes. Man muss sich dafür entscheiden. Erinnern findet nicht nur als individueller Vorgang statt, sondern, wenn wir gemeinsame Formen des Erinnerns finden und über Erinnernswertes miteinander sprechen, dann entsteht daraus das kollektive Gedächtnis einer Gemeinschaft.

Eine Form der gemeinsamen Erinnerung war bisher oft das Gespräch mit Zeitzeugen. Das konnte im öffentlichen Raum bei Veranstaltungen stattfinden, aber auch privat z.B. mit unseren Großeltern. Aber über 70 Jahre nach Kriegsende werden diese Gespräche mit Zeitzeugen immer seltener, d. h. unsere Generation muss mithelfen, Alternativen zur mündlichen Überlieferung zu schaffen, damit Ereignisse nicht vergessen werden.

Neue, wiederkehrende Formen des Erinnerns werden deshalb zunehmend an Wichtigkeit gewinnen, wollen wir auch die nächsten Generationen am kollektiven Gedächtnis beteiligen und ihnen Erinnerungen zugänglich machen.

Anders als die zentralen Gedenkstätten in ehemaligen KZs oder das Holocaust-Mahnmal in Berlin erinnern uns die Stolpersteine daran, wo das unermessliche Leid seinen Anfang genommen hat, nämlich in der uns vertrauten Nachbarschaft. Gleichzeitig werden die Personen durch diese Erinnerung vor Ort wieder in ihren früheren Alltag zurück gebracht. Mit den Stolpersteinen kann Erinnerung lebendig gehalten werden, wenn man sie als Anlass nimmt, zu Gesprächen z. B. über das Schicksal der Familie Rath.

In diesem Sinne verstehen wir auch die Patenschaft, die unsere Schule für die Stolpersteine übernehmen wird. Konkret heißt das für uns als Profilkurs Geschichte des 11..Jgs, dass wir in den nächsten Wochen die Schüler und Schülerinnen aller 6. Klassen über das Schicksal der Familie Rath in einer Unterrichtsstunde informieren, die wir selbst geplant haben, und so mit unseren jüngeren Mitschülern ins Gespräch kommen werden.

Das soll dann jedes Jahr für die 6. Klassen stattfinden. Dieses dann immer wiederkehrende Erinnern soll eine Chance bieten, das Schicksal der Raths in das kollektive Gedächtnis unserer Schulgemeinschaft aufzunehmen.“

Verfasst vom Profilkurs Geschichte 11.Jahrgang, April 2016

Interviews mit Schülern der Klasse 11f über ihre Recherchearbeit für das Stolperstein-Projekt.