Herr Beetz’ Lebensweisheiten

Herr Beetz’ Lebensweisheiten

17. März 2021 1 Von Friederike Voß

Vor einigen Tagen hat uns Herr Beetz so schöne Lebensweisheiten mitgegeben, dass ich diese den Lesern von Stormstory nicht vorenthalten wollte. Deshalb folgen nun also Tipps und Tricks für das Leben nach der Schule von Herrn Beetz:

„Es wäre ja eigentlich, wenn man genau darüber nachdenkt, ein Wunder wenn jeder von euch jetzt schon weiß, was er die nächsten dreißig Jahre seines Lebens machen will. Das geht ja gar nicht.“

„Sie wussten es!“

„Ja, ich wusste es und ich bin auch sehr froh drum, dass es geklappt hat und dass ich es gerne mache, aber ich kenne auch genügend Leute, die haben was gemacht, von dem sie dann später gedacht haben ‚Oach, das mach ich nicht‘ und dann haben sie immer noch etwas Anderes gefunden, dass ihnen gefällt. Das kann man machen!
Genau genommen ist das hier in meinem Beruf auch ein Sonderstatus. Als Lehrer wird man Lehrer und bleibt Lehrer. Also ich könnte jetzt noch in die Schulleitung gehen oder ich kann das Schulamt wechseln, aber eigentlich ist der Weg so vorprogrammiert. Die ganzen Sachen, die ihr wahrscheinlich machen werdet, die sind so ‚Ich mach das, ich mach das, ich mach das, ich mach das und ich mach das vor allen Dingen in Hamburg, in München, in Berlin und in Frankfurt.‘ Also gerade jetzt, wenn ihr noch ohne Familie seid, dann werdet ihr sehr viel von einem Job zum anderen geschmissen. Das verlangen auch Firmen von euch, dass ihr das könnt. Das heißt, wenn ihr euch Jobs aussucht, berücksichtigt, dass ihr wahrscheinlich rund um die Welt oder zumindest nach Europa oder Deutschland geschickt werdet.
Ihr bewerbt euch nicht mehr im Sinne von ‚Ich wohne in Ahrensburg, also bewerbe ich mich in Großhansdorf‘. Nein, ihr bewerbt euch zum Beispiel in Stuttgart oder so. Also man muss da immer etwas größer denken und sich fragen, ob man da Lust drauf hat. Andererseits gibt es natürlich später dann auch Aufstiegschancen. Das gibt es bei meinem Job jetzt nicht so. Mein Lohn ist, dass ihr alle Abitur macht.“

„Awww…“

„Ja, awww. Aber wirklich, in Geld werde ich nicht gelohnt. Ob ich besser oder schlechter bin, dafür kriege ich nicht mehr oder weniger Geld. Ja, das sind auch so Sachen über die man nachdenken muss. Das hat auch Vorteile, hat aber auch Nachteile. Wenn ihr euren Job habt und schlecht seid, bekommt ihr einen auf den Deckel, euch wird das Projekt weggenommen und ihr kriegt weniger Geld. Wenn ihr top seid, verhandelt ihr über euren Vertrag und sagt ‚Ich mach das und das und das. Ich will mehr Geld!‘. Das geht hier nicht. Also ich kann es ja mal versuchen, aber… das wird nicht funktionieren. Wenn ich in meiner Leistung bezahlt werden würde, könnte ich jetzt so auch nicht mit euch reden. Dann würde ich ja dafür bezahlt werden, das ich das und das mache.“

„Aber so was ist doch auch sehr wichtig!“

„Ja, natürlich! Und deshalb mach ich das. Ich könnte das auch begründen, warum ich das mache: Ich mach das nicht, na ja also natürlich interessiert mich auch, wo ihr hin wollt und ich gebe euch Lebensweisheiten und so, aber das hat eigentlich etwas damit zu tun, weil ich, sage ich mal, merke, was Schüler können und was nicht. Ich kann natürlich euch jetzt 45 Minuten durch drücken, aber eigentlich sitzt ihr vor mir und sagt ‚Herr Beetz, ich hab da kein Bock auf den Scheiß‘, also zumindest die meisten. Ich kann natürlich nicht für alle sprechen, aber manchmal darf man auch ein bisschen erzählen. Aber jetzt müssen wir eigentlich mit dem Unterricht weiter machen.“

„Was haben Sie noch für Weisheiten? Lieber WG oder Wohnung?“

„Das ist eine Geldfrage am Ende. Meistens ist eine WG billiger, wobei Mieter zum Teil auch gerne WGs haben, weil sie da mehr Geld für kriegen. Aber im Normalfall ist das nicht so, dass WGs teurer sind, weil WGs oftmals noch einen ganz alten Vertrag auf einen Mieter haben und der bleibt dann so, egal, ob die Leute da wohnen bleiben oder neue Studenten einziehen.
Bei Wohnungssuchen: Ich sage mal, ihr braucht fünf, sechs Wohnungsbesichtigungen, um einen Eindruck zu kriegen und danach sagt ihr ‚Die erste hätte ich genommen‘. Das wird euch passieren. Also für gewöhnlich habt ihr in den Städten nicht die Auswahl. Ihr kriegt zehn Besichtigungen. Ihr werdet eingeladen und dann heißt es ‚Doch nicht, doch nicht, doch nicht‘, außer ihr habt Glück.
Ich würde bei Wohnungssuchen alles dabei haben, was ihr haben könnt. Also wer bezahlt die Wohnung, wie bezahlt der die Wohnung, es gibt auch noch ein Selbstauskunftsformular (‚Wer seid ihr? Wo kommt ihr her?‘ usw.), dann wollen manche Vermieter noch wissen ‚Was machen eure Eltern? Was verdienen eure Eltern?‘, denn eure Eltern sind die Sicherheit dafür. Ihr werdet an diesem Punkt zum ersten Mal mit der harten Realität konfrontiert werden. Dann sagt nämlich der Vermieter ‚Wer bezahlt das? Du selbst? Du hast kein Geld? Dann kann ich dich nicht nehmen.‘ Da gibt es nicht wie in der Schule das Motto ‚Wir nehmen alle mit‘. Also wenn ihr die Möglichkeit habt irgendwelche Sicherheiten vorzulegen, dann macht das und zwar direkt. Ihr kommt da rein und sagt ‚Hallo, ich bin Frau Soundso. Ich hätte gerne die Wohnung. Die gefällt mir super, alles toll. Die Wände sind weiß genug, das ist alles super. Hier sind meine Sicherheiten, meine Eltern bezahlen.‘ Und dann macht ihr irgendwas Verrücktes, damit der euch in Erinnerung behält, einen Kopfstand oder so. Neeein, ihr macht keinen Kopfstand, aber denkt dran: Vermieter wollen Sicherheiten und sie wollen auch, dass ihr da lange wohnt. Der will, dass ihr hier dies und das studiert und dann noch den Master und so weiter. Der will nicht, dass ihr gleich wieder auszieht. Und ihr könnt da ruhig alles versprechen – wenn ihr drin seid, seid ihr drin. Und dann kann jeden Moment der Einzug beginnen. Und dann, und das habt ihr hoffentlich irgendwann mal im Geografieunterricht gelernt, überlegt euch vorher, wo ihr wohnen wollt. Und wenn ihr euch die Wohnungspreise mal anguckt, dann werdet ihr merken: Da ist ein Unterschied. Das hängt dann ab vom Stadtviertel. Erst fangt ihr wahrscheinlich an in Winterhude (‚Gefällt mir hier ganz gut’) und landet am Ende in der Schanze.“

„Hey, was ist denn an der Schanze falsch?“

„Ja, oder umgekehrt. Das ist eine Geldfrage und das kann man sich vorher angucken. Da muss man ein bisschen den Markt beobachten. Also wenn ihr jetzt schon wisst, wo ihr hin wollt, könnt ihr auch gucken. Es gibt da verschiedene Adressen, wo man sich das anguckt. Die Großen sind ‚Immowelt‘ und ‚Immobilienscout‘ und dann gibt es aber auch sowas wie ‚wg-gesucht‘ oder so etwas. Ich habe meine Wohnungen immer über ‚ebay-kleinanzeigen‘ gefunden, weil sich da nicht so viele melden. Und dann kann man sich auch überlegen: ‚Mit wem will ich zusammen ziehen in einer WG?‘. Das ist auch immer ganz wichtig! Da würde ich auch Wert drauf legen. Wenn ihr in eine total versiffte WG kommt und das nicht wollt, dann würde ich das auch nicht machen. Ihr müsst da wohnen und ihr müsst da vielleicht auch arbeiten. Das ist alles sehr spannend, aber ihr kriegt das alle hin. Da bin ich mir sehr sicher. Und ihr werdet auch ein paar Mal auf die Nase fallen und ihr werdet bestimmt auch mal etwas studieren, worauf ihr dann doch keinen Bock habt und ihr werdet auch irgendwo wohnen, wo ihr denkt: ‚Hier kann ich nicht wohnen!‘. Das wird alles passieren, aber irgendwann denkt ihr: ‚Zum Glück habe ich das alles gemacht‘. Und dann werdet ihr auch merken, dass das Leben Geld kostet. Alles was Mama und Papa jetzt Zuhause machen, werdet ihr selbst machen müssen. Dann müsst ihr selbst einen Wasservertrag abschließen und selbst Strom bezahlen und so. Das wird alles passieren. Aber ist spannend. Macht das mal. Aber jetzt macht ihr erstmal Abitur. Und damit ihr ein gutes Abitur macht und später im Unternehmen klar kommt, müsst ihr auch wissen, dass Unternehmen eine gesellschaftliche Verantwortung haben.“

„Wow, diese Überleitung…!“