Projekt „Grenzen überwinden“ (Teil II)

Projekt „Grenzen überwinden“ (Teil II)

26. September 2019 0 Von Arian Cornelius

Drei Schüler haben ihre Eindrücke der Wanderung über die innerdeutsche Grenze in unserer Region festgehalten. Das Geschichtsprofil unternahm diese vom 2.9. bis zum 6.9. gemeinsam mit Frau Gerresheim und einer Gruppe der Rostocker Werkstattschule. Auf dem Weg haben sie Zeitzeugen befragt.

Letzten Donnerstag haben wir bereits eine Reportage veröffentlicht und nächste Woche erscheint auch noch eine. Diese Reportage wurde von Benedict Niehaus aus der 12ef geschrieben. Viel Spaß beim Lesen!

 

Projekt “Grenzen überwinden”

„Ich wurde als Deutscher von Deutschen gefangen, weil ich von Deutschland nach Deutschland gegangen.“ Diese widersprüchliche und doch korrekte Aussage von Uwe Rutkowski bringt mich zum Nachdenken. Es ist der Höhepunkt einer sehr ereignisreichen Woche, die am Montag am Ahrensburger Bahnhof beginnt.

Das Wetter verspricht eine Woche, die größtenteils draußen verbracht werden kann. Die Sonne scheint wärmend und hell, ich ärgere mich die lange Hose angezogen zu haben. Doch angekommen in Rothenhusen, am Ratzeburger See, gibt es zu viele neue Eindrücke, als dass ich mich an solch belanglosen Dingen störe. Die Rostocker Klasse wirkt auf den ersten Blick sehr freundlich, allerdings genauso schüchtern wie wir. Diese zunächst vorhandene Distanz löst sich schnell nach den ersten Kennlernspielen und auch dem thematischen Einstieg. Und genau darum soll es in dieser Woche gehen. Verständigung. Grenzen überwinden. Grenzen zwischen dem ehemaligen Osten und Westen. Grenzen, die nach meinem Verständnis im Grunde kaum noch spürbar sind. Gleiche Interessen vereinen uns, vor allem die Fußballfans sind mir sympathisch. Man kommt ins Gespräch und nach einem Tag sind wir bereits eine Gruppe.

Den zweiten Tag würde ich als eigentlichen Start in die Projektwoche bezeichnen. Die Zeitzeugen sollten bereits Mittwochmorgen kommen und bis dahin muss viel vorbereitet werden. Gruppen eingeteilt, Fragen überlegt und Regeln und Tipps besprochen werden. Der Vormittag entwickelt eine gewisse Eigendynamik und im Handumdrehen ist es Zeit für das Mittagessen. Wir sind alle erschöpft von der intensiven Arbeitsphase, aber dennoch glücklich und vor allem gespannt auf den nächsten Tag. Am Dienstagnachmittag soll die erste Wanderung durch das Gelände stattfinden. Die Landschaft ist sehr schön und die Wanderung hat auf mich eine entspannende Wirkung. Die Sonne glänzt am Himmel und die Stille wird nur durchbrochen von Haukes geschmacksloser Musik. Doch selbst daran gewöhnt man sich. Erschöpft kommen wir dann in der Jugendherberge an und auf das Abendessen folgt kein langer Abend mehr. Wir alle sind ausgelaugt und keiner möchte am nächsten Morgen unausgeschlafen mit dem Zeitzeugen sprechen.

Ich, der in unserer Zeitzeugengruppe „den Hut auf hatte“, bin offensichtlich der Nervösesten von uns fünf. Ich sollte Herrn Rutkowski samt seiner Frau in Empfang nehmen und für sie sorgen. Das Ehepaar Rutkowski macht mir diese Aufgabe allerdings mit ihrer offenen sympathischen Art sehr einfach. Wir stellen unsere überlegten Fragen, doch auch im Gespräch kommen mir immer neue Fragen, sodass das Gespräch, obwohl es über zwei Stunden dauerte, viel kürzer erscheint. Der rege Austausch mit dem Zeitzeugen bewegt in mir sehr viel und auch im Nachhinein gibt es mir immer wieder zu denken. Vor allem der eingangs zitierte Satz zeigt die Widersprüchlichkeit der DDR-Zeit und auch über die Folgen, die noch heute spürbar sind, sprechen wir sehr viel in dieser Woche. Vieles versteht Uwe Rutkowski selbst erst im Nachhinein und uns gibt die Befragung von Herrn Rutkowski eine detaillierte, emotionale und persönliche Sicht des Geschehenen. Mit seiner sehr bewegten Vergangenheit, zeigt er uns Seiten der DDR, die wir bisher nicht kannten und er versucht uns einige Lebensweisheiten mit auf den Weg zu geben. Mich hat er auf jeden Fall nachhaltig beeindruckt.

Noch am selben Tag folgt der Umzug in die zweite Jugendherberge in Groß Thurow. Hier soll vor allem die Auswertung der Zeitzeugengespräche stattfinden.

Am Donnerstag wird uns zunächst das Methodische zur Auswertung an die Hand gegeben und wir bekommen einen Eindruck wie die anderen Zeitzeugengespräche verlaufen sind. Dabei kommt in mir der Wunsch auf, ich hätte mehr als nur Herrn Rutkowski gehört. Allerdings verstehe ich auch den Einwand, dass man sich in der kurzen Zeit nur auf einen Zeitzeugen vorbereiten und einlassen kann.

Als wir am Nachmittag zu unserer letzten Wanderung aufbrechen wollen, bricht plötzlich der Himmel auf und wir müssen den einsetzenden Regen zunächst abwarten, ehe wir losgehen. Im Laufe der Wanderung sollte sich die Sonne jedoch noch blicken lassen. Den letzten Abend runden wir zunächst mit einem stimmungsvollem Grillen, gefolgt von einer Feedback- und Spielerunde am Lagerfeuer, ab. Der Nachthimmel glänzt über uns und die Atmosphäre ist gelöst und entspannt. Dennoch sind wir uns wahrscheinlich alle einig, dass wir uns auf zu Hause freuen.

Der Freitag beinhaltete letzte Arbeiten an den Reflexionen und auch eine Besprechung, wie die Präsentation der Ergebnisse ablaufen sollen. Um 13:30 werden wir schließlich zum Bahnhof gebracht und verabschieden uns von den Rostockern. Vielleicht werden wir sie schon bald wiedersehen. Wünschen würden wir uns das sicherlich alle.

Insgesamt war die Woche sehr ereignisreich und ich werde viel aus dieser doch kurzen Zeit mitnehmen. Nicht nur die Geschichte von Uwe Rutkowski, die weitergetragen werden muss, sondern einfach auch die Anregung zum Nachdenken. Er hat mir persönlich deutlich gemacht, nicht alles zu glauben, sondern Widersprüche und vermeintliche Wahrheiten zu hinterfragen.