Interview mit den ehemaligen Schülersprechern Magdalena, Carl und Julius

Der 12. Jahrgang ist zurzeit mitten im Abiturstress und wird schon in Kürze die Schule verlassen. Daher wechselte auch das Schülersprecher-Team. Zum Abschluss haben uns Magdalena, Carl und Julius Fragen zu ihrer Zeit als Schülersprecher beantwortet. 

 

  1. Mit welchen Erwartungen seid ihr als Schülersprecher angetreten? 

Julius: Die Erwartungshaltung, dass es mit der Schulleitung nicht ganz so rosig wird, hatte ich schon von Anfang an. Sagen wir mal so – dass wir uns nicht unbedingt zum best Freund der Schulleitung machen werden, war, glaub ich, klar. Ich denke, wenn man als Schülersprecher die Meinung offen sagt, und das wollten wir ja von Anfang an, dann würde das anecken. Aber es war schon unsere Erwartungshaltung, dass wir das so machen werden.

Magdalena: Doch wir hatten durchaus schon die Erwartung, dass die Schüler auf unserer Seite stehen und auch immer quasi im Positiven ihre Interessen vertreten wollen und dazu natürlich stehen. Gerade aus diesem Grund, dass wir das für sehr wichtig halten, kam es einfach dazu, dass unsere Erwartungen nicht den Erwartungen der Schulleitung entsprachen. Das hatten wir aber schon vorher spekuliert und wurde somit nur noch bestätigt. Ich war ja schon vorher Schülersprecher und deshalb konnte ich mir das schon vorstellen. 

Carl: Also ich hatte einfach die Erwartung, wohl eher den Wunsch, die Schule sozusagen in einem vernünftigeren Zustand für die Schüler zu verlassen als vorher. Also, ich persönlich habe davor immer relativ wenig von der SV mitbekommen und wollte, dass die SV aktiver wird, mehr tut, auch gerade in dem gestalterischen Bereich, was die Schule angeht. Ganz konkret zum Beispiel die Handynutzung an der Schule, was ja ein ewiges Projekt war. Aber auch ganz andere Sachen, einfach das Selbstverständnis, was die Schülerschaft angeht, etwas zu verändern. 

 

  1. Bereut ihr es, Schülersprecher gewesen zu sein oder nicht?

Carl: Jeden Tag. (Lachen)

Julius: Auf gar keinen Fall. Punkt.

Magdalena: Auf gar keinen Fall, ich habe viel gelernt und bin froh, dass ich es gemacht habe und besonders in einem guten Team.

Carl: Ja, ich bin auch sehr froh, es gemacht zu haben, aber bin jetzt auch glücklich und denke, es ist ein guter Zeitpunkt aufzuhören. 

 

  1. Was waren eure Ziele als Schülersprecher?

Magdalena: Erstmal waren unsere Ziele konkret immer, dass wir die Interessen der Schüler vertreten und deren Wünsche in Erfüllung bringen. Einmal zum Beispiel, dass das Handynutzungskonzept überarbeitet wird bzw. dass die Regeln da ein bisschen aufgelockert werden. Da sind wir auch immer noch dran, gerade ziemlich aktuell. Dann hatten wir beispielsweise noch vor, WiPo früher einzuführen, ab Klasse 8, was immer noch nicht so ganz umgesetzt wurde.

Julius: Außerdem hatten wir noch das Bili Profil. WiPo und Bili sind auch Sachen, die wir dann angeleiert haben, sodass jetzt drüber diskutiert wird. Es war ja klar, dass das nicht in einem Jahr irgendwie umgesetzt werden kann, aber zumindest haben wir es konkreter gemacht. Dazu auch dieses Interessenvertreten, wie Magdalena schon sagte, und die SV wieder sichtbar zu machen. Die SV war vorher ein Haufen von Leuten, die sich einmal die Woche getroffen haben, und heute haben wir eine SV, die auch eine wirklich politische und organisatorische Institution ist. Das ist auch das Vorrangige, das wir erreicht haben, zum Beispiel mit dem Handykonzept. 

Carl: Ganz genau, ein Bewusstsein innerhalb der Schülerschaft dafür schaffen, dass man eben auch etwas ändern kann und dass eben nichts in den Stein gemeißelt ist, sondern vielmehr, dass man aktiv gegen schulische Dinge vorgehen kann oder für bestimmte Dinge eintreten kann. Ansonsten waren die Ziele manchmal auch sehr sporadisch, dass man mal eine Umfrage gemacht hat, um zusehen, was die Wünsche in der Schülerschaft sind. 

 

  1. Denkt ihr, ihr konntet diese Ziele erreichen? Welche, welche nicht? 

Julius: Ich bin vielleicht nicht zu 100% zufrieden, aber sagen wir so, wir wurden auch durch die Konflikte oft daran behindert, wirkliche Sacharbeit zu betreiben, Maßnahmen durchzusetzen. Andererseits würde ich auch sagen, dass wir heute, wie ich auch schon sagte, eine neue Institution als SV haben. Wir haben die Stimmung verändert und das Handykonzept steht vor der Änderung, also haben wir schon etwas erreicht. Über das Handykonzept sagte man schließlich über Jahre „Das ändert sich nie“ und jetzt ändert es sich. 

Carl: Also ich bin absolut zufrieden mit unserer Arbeit, das klingt jetzt vielleicht selbstverliebt, aber wir haben ja sozusagen als Neulinge angefangen. Natürlich mussten wir da erstmal reinwachsen und natürlich hat das gedauert, bis wir eben auch dieses Selbstverständnis bekommen haben. Ich finde schon, dass wir einiges an der Schule verändert haben, die Frage ist dann eben, wie langfristig es wirkt. Das wird sich dann in der Zukunft zeigen, wie auch unsere Nachfolger damit umgehen. Aber ich bin eigentlich sehr zufrieden mit dem, was wir in der Schule geleistet und geschafft haben. 

Magdalena: Ich bin auch zufrieden und bin auch froh, dass wir immer konsequent unsere Arbeit weiter gemacht haben und unsere Meinung auch gegenüber den höhergelegenen Gremien vertreten haben. Ich hoffe gerade auf lange Sicht, dass die Schulleitung sich jetzt bewusst ist, dass auch die Schüler viel bewirken möchten und es auch durchziehen können. Also bin ich durchaus sehr positiv auf unsere Vergangenheit eingestellt. 

 

  1. Auch wenn ihr jetzt die Schule verlasst – was erhofft ihr euch für die nächsten Jahre?  Eine Verbesserung?

Carl: Also, ich hoffe, dass sich das Verhältnis zu den verschiedenen Gremien der Schule insgesamt verändern wird, das war bei uns teilweise ja ein bisschen schwierig. Ich bereue es jetzt nicht, dass wir es so durchgeführt haben, aber ich glaube, es ist deutlich einfacher für die SV, Ziele auch langfristig mit einem guten Verhältnis zu allen in der Schule durchzusetzen. Ich hoffe einfach, dass die SV langfristig für die Interessen und Rechte der Schüler einsteht und jetzt schlagkräftig ist.

Julius: Ja, dass die Schulleitung auch akzeptiert und nicht weiter Steine in den Weg legt. Die SV hat das Potential dazu, da sie eine schlagfertige Organisation ist und die Schulleitung das auch erkennen muss. So können eben alle gemeinsam die Schule gestalten und nicht gegeneinander arbeiten.

 

  1. Hat euer Schülersprecherdasein euer Bild von der Schule verändert? Im positiven oder im negativen Sinne?

Magdalena: Dadurch, dass ich Schülersprecherin war, habe ich viel mehr Seiten von der Stormarnschule kennenlernen dürfen bzw. kennenlernen müssen. Klar hat das mein Bild der Stormarnschule verändert, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Man hat viele Erfahrungen gemacht, die ich nicht hätte machen können, wenn ich keine Schülersprecherin gewesen wäre, die sehr positiv waren. Man bekommt auch viel Unterstützung von der Schule und auch von anderen Seiten. Man wird angesprochen, dass man stark bleiben soll und dass es auch gut ist, was man macht. Dass man Fehler machen darf und auch soll, da man aus diesen lernt. Das alles wurde einem zwar gut vermittelt, aber durchaus gab es natürlich viele negative Seiten, die ich dadurch erlebt hab, wie zum Beispiel die Kommunikation auf einer anderen Basis. Nämlich dass diese Transparenz, die die Stormarnschule haben möchte, durchaus nicht immer ausgeübt wird, wo wir es uns als Schüler oft gewünscht hätten. Weil es unsere Aufgaben viel leichter gemacht hätte, wenn diese Transparenz da gewesen wäre oder auch diese Demokratie, die oft einfach gefehlt hat. Das hat mich teilweise auch persönlich fertig gemacht. Es waren persönliche Angriffe, die mich emotional fertig gemacht haben, aber deswegen ist das Bild der Stormarnschule durch das Schülersprecherdasein allgemein weiterentwickelt bzw. in viele Richtungen geprägt.

Carl: Vertieft würde ich auch sagen.

Julius: Grundsätzlich ist es, also ich möchte nicht sagen, dass es positiver geworden ist, aber eben auch nicht schlechter geworden. Dass es nicht rosig sein wird, war mir vorher schon klar, ich glaube, es ist vielen Schülern klar, dass es nicht so richtig super zugeht. Schließlich auch, dass vieles verbessert werden könnte, aber gerade, wenn man dann diese Konflikte mit der Schulleitung hat, muss man einfach sehen, dass die Schulleitung nicht die Schule ist. Gerade in unseren Konflikten wurden wir von so vielen Lehrern und Schülern bestärkt. Die SV ist auch als Gruppe zusammengewachsen und wir haben das gemeinsam durchgestanden. Man hat sich auf einer Weihnachtsfeier getroffen und man war nicht unbedingt nur eine Gruppe von Leuten, die sich einmal die Woche treffen, sondern eine Gruppe, die sich für die Schule einsetzt und das auch gemeinsam und vereint tut. Das sind viel schönere Beispiele als einfach nur zu sagen, wir haben Konflikte mit der Schulleitung gehabt. Klar gab es die auch, aber das hat auch viel Positives gezeigt. Es gibt an unserer Schule nämlich viele Leute, die anders denken als die Schulleitung. Von daher würde ich sagen, mein Blick ist mindestens noch so positiv wie vorher, wenn nicht sogar noch positiver. 

Magdalena: Kontraste sind da. (Lachen)

 

  1. Und zum Abschluss – habt ihr schon einen Plan nach der Schule?

Carl: Schulleiter. (Lachen). Nein, ich möchte erstmal studieren, Rechtswissenschaften und dann mal gucken. Ich kann mir sehr gut vorstellen, mich auch weiterhin „politisch“ (es war ja im weitesten Sinne Politik) zu engagieren. Nicht berufspolitisch, sondern durchaus auch ehrenamtlich politisch, weil es mir total viel Spaß gemacht hat und mich auch bereichert hat.

Julius: Bei mir ist es ähnlich, ich will auch Jura studieren, aber erst nach einem Auslandsaufenthalt. Grundsätzlich will ich politisch auf jeden Fall weiter engagiert sein. Ich würde nicht sagen, dass es mich jetzt in die Berufspolitik zieht, aber irgendwann mal im Bundestag zu sitzen fände ich schon ganz cool. 

Magdalena: Also ich möchte erstmal als Tennistrainer arbeiten, um ein bisschen Geld zu verdienen. Dann möchte ich auch anfangen zu studieren, Ökotrophologie, das sind Ernährungswissenschaften, in Hamburg. 

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