Die Oktoberrevolution – der Beginn einer klassenlosen Gesellschaft?

Über 100 Jahre liegt die Oktoberrevolution nun zurück. Die Grundidee jener scheint zu verblassen, da wir uns unserer Freiheit nicht beraubt fühlen und den Kapitalismus unhinterfragt lassen. Doch um die Situation vor über 100 Jahren auf heute beziehen zu können, muss man zunächst in die Geschichte zurückgehen.

Die Februarrevolution hatte bereits mit dem Sturz des Zaren eine 400-jährige Monarchie beendet, doch weiterhin kam es zu sozialen und politischen Spannungen, welche einen weiteren drastischen Umsturz antrieben.
Nachdem Zar Nikolaus II. abgedankt hatte, entstand eine provisorische Regierung, die den Forderungen der Februarrevolution Folge leisten sollte. Jedoch lehnte die Regierung den dringenden Wunsch zum Kriegsaustritt sowie der Bodenumverteilung zu Gunsten der Bauern ab. Dies schürte die Unzufriedenheit unter der Bevölkerung, denn der Sturz des Zaren war unter anderem wegen des Kriegsbeitritts gekommen. Weil der Zar den Krieg auf Kosten der eigenen Bevölkerung führte, litt ein großer Teil an Hungersnot, welche durch die zurückgebliebene Landwirtschaft noch verstärkt wurde. Zudem sahen die Bürger in jedem weiteren Opfer den Krieg als sinnlos an. Eben dies hatte sich nicht verändert, daher gewann der Petersburger Sowjet zunehmend an Macht und agierte als eigenständige Kraft. Innerhalb von diesem stiegen die Bolschewiki als einflussreiche Partei hervor, welche durch Einsatz parteieigener Funktionäre in den wichtigsten Posten die Gesellschaft zum Sozialismus führen wollten. Als nun Wladimir Iljitsch Uljanow, besser bekannt als Lenin, aus dem Exil in der Schweiz zurückkehrte, war der Revolution mit ihm als der ideologischen Leitfigur der Bolschewiki der entscheidende Aufschwung gegeben. Obgleich Lenin als Begründer der Revolution dargestellt wurde und wird, war Lew Bronstein (Leo Trotzki) – Gründer der Roten Armee – jener, welcher während Lenins Abwesenheit intensiv bei den Bolschewiki mitgewirkt hatte und der eigentliche Organisator der Revolution war. Durch die Stürmung des Winterpalais in der Nacht des siebten Novembers 1917 (25. Oktobers nach julianischem Kalender) brachten sie die Menschewiki zum Rücktritt und die Provisorische Regierung zum Sturz. Auf den Sturz der alten Ordnung folgten drei der wichtigsten Dekrete der ersten Sowjetregierung. Sie verkündeten den sofortigen Kriegsaustritt und damit die Sicherung des Friedens, erklärten Grund und Boden zum Volkseigentum, zudem bestimmte er einen Rat der Volkskommissare mit sich selbst an der Spitze als Regierung. Wenig später folgte ein Dekret, das die Unabhängigkeit der Völker zusicherte. Jedoch erreichten die Bolschewiki bei den Wahlen nur 23,5% und die gewählte Versammlung erkannte die Sowjetmacht nicht an, woraufhin Lenin diese wenige Monate später auflöste. Russland wurde zur Russisch Sozialistischen Sowjetrepublik ausgerufen. Letztendlich wurde es zur Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken. Die Zarenfamilie wurde auf grausame Weise umgebracht, fast symbolisch für den Beginn einer „gerechteren“ Gesellschaft. Auch während der Revolution wurden bereits „Kontrarevolutionäre“ von der Roten Armee ermordet. Der Roten Armee gegenüber standen die „Weißen“, welche aus Minderheiten und Anhängern des Zaren bestanden. Dieser Konflikt zwischen den beiden Fronten wurde zu einem Bürgerkrieg, der zwei Jahre andauerte. Zu diesen Zeiten regierte Lenin. Auch unter seiner Herrschaft kam es zu Repressionen durch den KGB. Nach seinem Tod nahm Ioseb Besarionis dze Jughashvil (Stalin, der „Stählerne“) seinen Platz ein und eine „Säuberung“ begann, in welcher er alle, die seine Feinde waren oder sein könnten, ermorden ließ. Bauern wurden gezwungen ihre Betriebe umzufunktionieren, unzählige dieser wurden in Gulags (Straf- und Arbeitslager) geschickt und auch Minderheiten wurden verfolgt. 1,5 Millionen Menschen wurden verhaften, fast die Hälfte von diesen ermordet.

In Hinsicht auf diese uneingeschränkte Macht und die Repressionen hat dieses Regime nichts mit der marxistischen Grundidee des Kommunismus (von lat. communis – gemeinsam) gemein. Denn dieser beschreibt eine klassenlose Gesellschaft, in deren vollendeter Form nicht einmal ein Staat existieren muss. Daher ist die UdSSR, die 1991 unterging, auch kein ausreichender Beweis dafür, dass der Kommunismus nicht funktioniert. Doch vor allem gibt es mehrere Theorien zum Weg dorthin, und da es in diesem Falle nach dem Leninismus verlief, bedeutet das nicht, dass der Marxismus sowie der Trotzkismus außer Acht gelassen werden dürfen.
Die gesamte Umsetzung des weiteren Verlaufs war weder kommunistisch noch freiheitsschenkend. Die Ideen jedoch, mit denen die Revolution begann, das Streben nach Freiheit und Gleichheit, hätten zu einer solchen Gesellschaft führen können.

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