Der Reformationstag: Anbruch eines neuen religiösen Zeitalters

Halloween ist nicht das einzige, viel gefeierte Ereignis am 31. Oktober, sondern die evangelischen Christen in Deutschland, Slowenien, der Schweiz, Chile und Österreich feiern jährlich den Reformationstag. Dieser ist auch als Reformationsfest oder als Gedenktag der Reformation bekannt und wird im Gedenken an Luthers Reformation der katholischen Kirche gefeiert. Die Protestanten feiern mit dem Reformationstag die Geburt ihrer Glaubensrichtung. Der Reformationstag findet alljährlich einen Tag vor dem katholischen Feiertag Allerheiligen statt.

Laut der Überlieferung soll der in der Grafschaft Mansfeld geborene Augustinermönch und Theologieprofessor Martin Luther am Abend vor Allerheiligen 1517 seine 95 Thesen in lateinischer Sprache zu Ablass und Buße ans Tor der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben. Jenes Ereignis ist jedoch historisch umstritten und gilt eher als Legende.
Dieses Jahr wird der Reformationstag zum 502. Mal zelebriert werden.

Wie und wo wird das Reformationsfest gefeiert?

In Deutschland ist der Reformationstag seit der Wiedervereinigung im Jahre 1989 ein gesetzlicher Feiertag in den Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie seit 2018 in Bremen, Hamburg, Niedersachsen und auch hier bei uns in Schleswig-Holstein. In Baden-Württemberg bekommt man schulfrei; in Österreich, der Schweiz sowie in den übrigen deutschen Bundesländern ist er kein gesetzlicher Feiertag. Am Reformationstag kann man eine evangelische Kirche besuchen, die zu einem besonderen Gottesdienst einlädt, bei dem sich die Predigt und die Lieder hauptsächlich um Luther, seine Thesen und die Bedeutung für unsere heutige Zeit drehen. Oft wird im Gottesdienst das Kirchenlied „Ein feste Burg ist unser Gott“ – wozu Luther den Text gedichtet hat – gesungen. Doch anders als z.B. an Ostern oder Weihnachten wird der Reformationstag nicht zu Hause mit der Familie gefeiert.

Wie entstand der Reformationstag?

Zu Luthers Zeiten konnte man sich laut der katholischen Kirche als Gläubiger durch sogenannte Ablassbriefe in Form von Geldzahlungen von den Folgen seiner Sünden befreien. Martin Luther kritisierte diese Ansicht in seinen 95 Thesen, denn er meinte, dass dies schon durch das Opfer Jesu am Kreuz geschehen sei. Luthers ursprüngliche Absicht war es gewesen, durch seine Thesen eine Reformationsdiskussion einzuberufen und somit die Ablassbriefe abzuschaffen. Seine Thesen fanden großen Anklang und schließlich wandten sich viele Gläubige von der katholischen Kirche ab und bildeten eine neue, die protestantische Kirche (heute wird sie meistens als evangelische Kirche bezeichnet). So hatte Luther durch seine Thesen ungewollt die Entstehung der evangelischen und somit die Abspaltung von der katholischen Kirche verursacht.

Zunächst wurden der 10. November (Luthers Geburtstag) und der 18. Februar (Luthers Todestag) als Gedenktage gefeiert. Zum 100-jährigen Jubiläum im Jahre 1617 wurde in den meisten protestantischen Gebieten Luthers Thesenanschlag gedacht.

Im Jahre 1667 machte Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen den 31. Oktober als Gedächtnistag für alle Protestanten einheitlich fest und stellte damit die Verbindung zum legendären Thesenanschlag an der Wittenberger Schlosskirche her. Nach den 200- bzw. 300-jährigen Jubiläen 1717 und 1817 setzte sich der Reformationstag durch.

Ich finde den Reformationstag sehr interessant, weil er einem immer wieder ins Gedächtnis ruft, dass wir und die Welt uns ständig weiterentwickeln und dass es in der Religion kein Richtig oder Falsch geben kann. Vor 502 Jahren hat Luther für die Gerechtigkeit gekämpft. Und obwohl er es nicht beabsichtigt hatte, hat er eine neue Glaubensrichtung und somit neue Ansichten für so viele Menschen kreiert. Deshalb können wir dankbar dafür sein, dass uns all diese religiösen Meinungsfreiheiten zur Verfügung stehen. Der Reformationstag ist für mich ein sehr inspirierendes Ereignis, weil er daran erinnert, sich selbst treu zu bleiben und für das Gerechte einzustehen.

Quellenangabe: Wikipedia, Feiertag.info   

Ein Artikel von Emily Brieske

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