12c – „Opfer des Bildungssystems“ auf Bildungsreise

Wir, die Klasse 12c, sind für eine Woche auf Studienfahrt nach Neapel gefahren.
Italien: das ist Sommer, Sonne und schöne Strände, doch auch eine Regierung rechter Parteien und ein Wirtschaftssystem, welches insgeheim durch die Mafia regiert wird. Ebenfalls ein Problem ist die hohe Arbeitslosigkeit und in dieses zwiegespaltene Land sollten wir also nun fahren?

Gestartet sind wir am Samstag um 5:35 Uhr am Flughafen in Hamburg, bevor wir zwei Stunden später abheben konnten. Schon bei der Landung in Neapel präsentierte sich Italien in voller Schönheit. Es waren schließlich auch rund 30°C und die Sonne schien.
Am selben Tag haben wir uns zuerst Sorrento angeschaut. Sorrento war die nächstgrößere Stadt in der Umgebung unseres Hotels, welches im Vorort Piano di Sorrento lag. Kleine schmale Gassen mit vielen bunten Läden verzauberten den ersten Anblick von Italien. Die erste Pizza durfte natürlich auch nicht fehlen. Von Sorrento aus hatte man eine wunderschöne Aussicht auf den Golf von Neapel. Wir konnten von einer Aussichtsplattform aus das türkis-blaue Wasser unter uns glitzern sehen. Neapel und vor allem der Vesuv waren ebenfalls zu sehen.
Nachdem am Abend die meisten am Strand den Tag hatten ausklingen lassen oder lieber im Hotel schon einmal Schlaf nachgeholt hatten, ging es am nächsten Tag morgens gleich früh mit der Bahn nach Neapel.

Kaum in Neapel angekommen, haben wir uns erst einmal von unserer italienischen Austauschpartnerin verabschiedet. Marta war das gesamte letzte Jahr in unserer Klasse und hat uns am ersten Tag noch einmal besucht. Über den Besuch haben wir uns sehr gefreut und mussten sie schweren Herzens gehen lassen. Da bei ihr allerdings die Schule am Montag, also dem Folgetag, wieder beginnen sollte und wir uns in Richtung des archäologischen Museums aufmachen wollten, hatten wir keine andere Wahl. Während sie mit dem Bus über neun Stunden nach Hause gefahren ist, haben wir uns durch die Altstadt Neapels unseren Weg gebahnt.

Doch nicht nur die bröckelnden Fassaden der Häuser und die Armut, sondern vor allem der viele Müll sind uns an Neapel negativ aufgefallen. Doch schnell haben wir auch interessantere Dinge, wie alte Mosaiken und prähistorische pornografische Gemälde sowie eine Star Wars-Sammlung, zu sehen bekommen. All diese Ausstellungsstücke waren in dem großen archäologischen Nationalmuseum zu sehen. Anders als die Gebäude zuvor war das Museum mit der bunten Fassade ästhetisch sehr ansprechend. Ein großer Eingang und nette Innenhöfe sowie vor allem die interessanten Ausstellungsstücke zeigten uns gut, welche Geschichte in Neapel steckt.

Bei um die 30°C kam uns der nächste Programmpunkt sehr entgegen, welcher uns rund 40 Meter unter Neapel führte. In einer Zeit von über 5000 Jahren wurden Höhlen und Gänge errichtet, um Häuser zu bauen und Wasser über ein unterirdisches System zu leiten. Die „Stadt unter der Stadt“ konnte im Zweiten Weltkrieg die Menschen sicher als Bunker beherbergen. Jetzt ist sie mit den engen Gängen und großen Wasserbecken, die im Kerzenschein erkundet wurden, definitiv ein Besuch wert. Danach, beeindruckt von der Stadt, ging auch der zweite Abend am Strand gemütlich zu Ende, obwohl Herr Stern bemerkte, dass in Neapel mit üblen Tricks versucht wurde, sein Portemonnaie zu stehlen. Bei diesem Versuch sollte es in unserer Klasse allerdings nicht bleiben…

Am Montag war aber erst einmal der berühmt-berüchtigte Vesuv in Verbindung mit Pompeji das Besichtigungsziel.
Zuerst haben wir uns die durch den Vesuv verschüttete Stadt Pompeji angeschaut. Wir sind über die alten Steine und durch die alten Gassen gelaufen. Wie eine richtige Stadt liegen die Mauern und teilweise sehr gut erhaltenen Gebäude am Fuß des Vulkans. Sehr beeindruckend sind die kleinen Details wie die Spuren der Wagen in den Steinen auf der Straße, die vielen bunten Mosaike auf dem Boden und die Wandmalereien.

Als nächstes war der Vesuv dran: Nach einer langen und kurvigen Busfahrt ging es nun die letzten hundert Meter zu Fuß den Vulkan bergauf bis zum Krater. Leider war die Aussicht durch die Wolken nicht sehr gut. Uns hielt dies trotzdem nicht davon ab, ein wenig über den Vesuv zu lernen und vor allem schöne Bilder zu schießen. Wir standen schließlich auf einem recht aktiven und gefährlichen Vulkan!

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen des Chaos. Es ging schon morgens los, als wir keine Bahnfahrkarten bekamen, weil diese ausverkauft waren. Für Italien typisch sollten wir erst einmal improvisieren und einfach so in den Zug einsteigen. Der Tipp: Wir sollten uns beim Zugführer und dessen Begleiter Tickets kaufen. Und dies hat auch geklappt.
Wer jetzt allerdings denkt, dass die weitere Reise nach Herculaneum problemlos weiter laufen sollte, hat weit gefehlt. Kaum aus der Bahn ausgestiegen, wurde beim Durchzählen bemerkt, dass eine Schülerin fehlte. Auch ein zweites Mal zählen half nichts, denn sie saß schlafend im Zug. Zum Glück konnten wir schnell Kontakt aufnehmen und sie konnte schon zwei Stationen später wieder eine Bahn zurück nehmen.
Doch schnell war alles vergessen, denn in Herculaneum war es sehr interessant. Man konnte sehr gut sehen, wie die Stadt 79 nach Christus von der Asche des Vesuvs bedeckt wurde. Anders als in Pompeji liegt die alte Stadt hier in einer Senke und man kann die bis zu 20 Meter hohen Ascheschichten gut erkennen. In wenigen Schritten war man unten am Hafen angekommen. Man konnte sich das alte Hafenleben und den qualvollen Tod der Menschen in den Gebäuden am Hafen gut vorstellen.
Ausgelacht wurden wir vor Ort allerdings von bayrischen Schülern, die uns „Opfer des Bildungssystems“ nannten. Der Grund dafür war, dass wir keine besondere Führung hatten und uns lieber die Stadt in kleinen Gruppen alleine angeschaut haben. Unbeeindruckt davon ging unsere Klasse, die „Flamingos“, wie wir uns nannten (manchmal ist es auch gut, nicht alles zu erklären), wieder zum Bahnhof.

Der nächste Plan war, noch einmal nach Neapel zu fahren, um noch eine andere Ecke der Stadt zu sehen. Doch schon bei der Ankunft am Hauptbahnhof Garibaldi kamen zwei schlimme Umstände ans Licht, die den Tag nicht besser machten.
Zum einen wurden ein paar Mädchen aus unserer Klasse zuvor in der vollen Bahn begrapscht, zum anderen ist einer Schülerin das Handy samt Personalausweis aus ihrer Tasche gestohlen worden. Wir betraten nun Neapel – oder wie es im Italienischen so schön heißt: Napoli – mit erneut gemischten Gefühlen.
Anders als zwei Tage zuvor gefiel uns die Stadt dieses Mal mehr. Wir besuchten zuerst einen Markt, der in sämtliche Gassen verteilt war und von Fisch über Obst und Kleidung alles Mögliche verkaufte. Nach dem Besuch des Marktes war es an der Zeit, uns von einem weiteren Gast zu verabschieden. Herr Hartung kam am Vorabend vorbei und begleitete uns die erste Hälfte des Tages. Es war wirklich schön, unseren ehemaligen Sportlehrer noch einmal zu treffen. Seine gelassene, entspannte Art hat uns sehr beeindruckt und wir wünschen ihm auch für die Zukunft viel Spaß in Italien – seiner heutigen Wahlheimat.
Nach etwas Freizeit in der Innenstadt Neapels besichtigten wir das Castel del‘ Ovo. Wir hatten vom Dach eine wunderschöne Sicht auf die Küstenregion um Napoli und auf die Stadt. Diese Seite der Stadt gefiel uns viel mehr. Von den am ersten Tag besichtigten Gassen war nicht viel zu sehen und schöne Plätze und Gassen zeigten uns ein beeindruckendes Neapel.
Zu allem Überfluss gab es allerdings noch eine chaotische Rückreise, die ich allerdings nur kurz zusammenfassend erzählen möchte: Ein Zug fiel auf Grund einer defekten Tür aus und die Menschen mussten in dem Wirrwarr der falschen Anzeigetafeln und langen Wartezeiten eine Lösung finden.
Rund 30 Minuten später als geplant kamen wir doch recht schnell in Piano an und der Abend klang vor dem Fernseher bei einem Fußballspiel der Champions League in der Lobby gut aus.

An unserem letzten Tag ging es schließlich mit dem Bus nach Positano. Nach einer überraschend ruhigen Fahrt mit dem Bus kamen wir in Positano an, oder eher eine Station später, weil wir nicht rechtzeitig ausgestiegen waren. So konnten wir an den Klippen der Amalfiküste bis Positano wandern. Kaum in Positano angekommen, riss auch die Wolkendecke auf und wir konnten die Stadt mit noch mehr Freizeit als in den Tagen zuvor genießen. Ähnlich wie in Sorrento gab es auch hier kleine Gassen mit vielen bunten Läden. Sehr charakteristisch waren auch hier die bunten Farben der Stadt und die vielen Produkte in den Läden, die meist etwas mit Zitronen, der regionalen Spezialität, zu tun haben. Mit Eis in der Hand konnten wir am Strand und am Hafen den letzten Tag sehr genießen.
Um ins Hotel zu gelangen, war nur noch eine erneute Busfahrt nötig. Doch diese Busfahrt sollte nicht so leicht verlaufen wie geplant, denn schließlich waren wir nicht die Einzigen, die in den ohnehin schon vollen Bus einsteigen wollten. Aufgeteilt auf zwei Busse haben wir es dann doch noch geschafft, die ganze Klasse zu transportieren. Während die ersten in Sorrento ausstiegen und mit der Bahn nach Piano fuhren, konnten die anderen tatsächlich schon in Piano aus dem Bus aussteigen. Nun stand einem letzten Treffen am Strand mit allen Klassenkameraden nichts mehr im Weg, denn der letzte Abend musste zelebriert werden.

An unserem letzten Tag, dem Donnerstag, war es leider schon so weit und wir „durften“ den Rückweg antreten. Wie fast immer schliefen auch an diesem Tag wieder viele während der Fahrt. Kurz vor dem Flughafen steckten wir noch für kurze Zeit im Stau und auch unser Flug startete rund 30 Minuten später als geplant. Italien wollte uns also doch nicht so leicht gehen lassen.

Zusammenfassend war Italien sehr schön! Ab und zu gab es kleinere Probleme und auch das anfängliche Bild Neapels war vielleicht nicht das beste, doch wir konnten uns ein gutes Bild des italienischen Lebens machen. Wir haben schöne Ortschaften und Landschaften gesehen und haben viel zusammen erlebt und gelacht. Vor allem haben wir eine unvergessliche letzte Studienfahrt erlebt!

Ein Text von Kaja Schult, Alena Herre, Katharina Kramer und Bennet Martins

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